Fast jeder Händler kommt irgendwann an den Punkt: Shopify kann vieles, aber genau diese eine Sache nicht. Ein besonderer Produktkonfigurator, Rabatte nach eigenen Regeln oder eine Anbindung an die Warenwirtschaft. Dann stellt sich die Frage, ob du dafür eine eigene App brauchst.
Die ehrliche Antwort aus unseren Projekten: meistens nicht. Aber wenn doch, dann lohnt sie sich oft mehr als gedacht.
Drei Wege zur fehlenden Funktion
Bevor du über eine eigene App nachdenkst, lohnt sich ein Blick auf alle Optionen.
1. Bordmittel und Theme-Anpassung. Vieles steckt bereits in Shopify, es ist nur nicht sichtbar. Mit Metafeldern lassen sich zusätzliche Produktinformationen pflegen, mit Shopify Flow Abläufe automatisieren, und über das Theme lassen sich Darstellung und Nutzerführung frei gestalten. Das ist oft der schnellste und günstigste Weg.
2. Eine App aus dem App Store. Für typische Aufgaben wie Bewertungen, Abos, Produktfilter oder Übersetzungen gibt es fertige Apps. Du installierst sie mit wenigen Klicks und zahlst meist eine monatliche Gebühr.
3. Eine eigene Custom App. Eine App, die nur für deinen Shop entwickelt wird. Sie erscheint nicht im App Store und bildet genau deinen Ablauf ab.
| Bordmittel und Theme | App aus dem App Store | Custom App | |
|---|---|---|---|
| Startkosten | gering | sehr gering | höher |
| Laufende Kosten | keine | monatliche Gebühr | Hosting und Wartung |
| Zeit bis live | Tage | Stunden | Wochen |
| Passt genau zu deinem Ablauf | teilweise | selten ganz | ja |
| Abhängigkeit | von Shopify | vom App-Anbieter | von dir |
Wann sich eine eigene App lohnt
Aus unserer Erfahrung gibt es vier Situationen, in denen eine Custom App die bessere Wahl ist:
- Der Ablauf ist dein Wettbewerbsvorteil. Wenn dich etwas von anderen Händlern unterscheidet, sollte es nicht von einer Standard-App abhängen, die dein Mitbewerber genauso nutzt.
- Keine fertige App passt wirklich. Wenn du dich mit drei Apps und viel Handarbeit um eine Lücke herumbaust, kostet das jeden Tag Zeit.
- Die App-Kosten summieren sich. Viele Shops zahlen für zehn oder mehr Apps. Rechne die monatlichen Gebühren über zwei bis drei Jahre hoch. Oft liegt eine eigene Lösung für die wichtigsten Funktionen darunter.
- Daten sollen im Haus bleiben. Jede installierte App bekommt Zugriff auf Teile deiner Shop-Daten. Bei sensiblen Daten ist eine eigene App, die nur das Nötige sieht, die sauberere Lösung.
Worauf du bei Apps aus dem App Store achten solltest
Fertige Apps sind oft die richtige Wahl. Ein paar Punkte solltest du trotzdem prüfen:
- Ladezeit: Manche Apps laden zusätzlichen Code in jede Seite deines Shops. Das kann Ladezeit und damit Umsatz kosten.
- Rechte: Schau dir an, welche Daten die App bei der Installation anfordert, und ob sie diese wirklich braucht.
- Zukunft: Apps werden eingestellt oder verkauft. Wie schnell kommst du wieder heraus, wenn das passiert?
Ein Beispiel aus der Praxis
Für die Marke Women’s Best haben wir eine eigene Rabatt-Suite gebaut. Das Marketing-Team wollte 15 verschiedene Kampagnentypen über mehrere Shops steuern, von Staffelrabatten bis zu Gratisprodukten. Keine App aus dem App Store konnte das in dieser Kombination. Mit einer eigenen Lösung steuert das Team heute alle Kampagnen aus einer Oberfläche. Mehr dazu in der Case Study.
Umgekehrt haben wir mit Nutrition Tables und Price Changes auch zwei öffentliche Apps entwickelt. Sie lösen Aufgaben, die viele Händler gleichermaßen haben, und gehören deshalb in den App Store statt in einen einzelnen Shop.
So gehst du vor
- Beschreibe den Ablauf, der heute fehlt oder Zeit kostet, in ein paar Sätzen.
- Prüfe, ob Bordmittel oder eine App aus dem Store ihn abdecken. Teste die App in einem Entwicklungsshop.
- Wenn nicht: Lass dir eine eigene Lösung grob schätzen und vergleiche sie mit den laufenden Kosten der Alternativen.
Wenn du dir unsicher bist, schau dir gern unsere kostenlose Shop-Analyse an. Dabei schauen wir auf Wunsch auch auf deine installierten Apps.